Archiv für März 2017

Monatsprogramm März Drugstore und Potse

Redebeitrag und Statement

Danke an alle Menschen, die am Samstag zum O-Platz gekommen sind! Danke fürs laut sein! Danke fürs Durchhalten! Danke, dass ihr mit uns gemeinsam ein Zeichen gesetzt habt, dass es so nicht weitergehen kann! Falls eine*r den Redebeitrag zur aktuellen Situation nicht mitbekommen hat, gibt es diesen nachfolgend zum Nachlesen:

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Fast ein Jahr später und keinen Schritt weiter

Fast täglich wird von Häusern berichtet, die geräumt werden sollen; von Investor*innen, die sich kein bisschen um die Belange der Mieter*innen kümmern; von Existenzen, die bedroht werden. Von Projekten, die es nach zig Jahren einfach nicht mehr geben soll. Und uns, dem Drugstore und der Potse, geht es genauso.

Unser Mietvertrag läuft am 31.12.2017 aus.

Möglichkeiten einer Weiterfinanzierung gibt es laut dem Bezirksamt keine. Als Einrichtung des Bezirks Schöneberg liegt unsere Miete weit über dem, was dem Bezirk möglich ist zu zahlen, so das Bezirksamt und seine Vertreter*innen.

Wir erinnern uns: nachdem das Gebäude, welches vorher Landeseigentum war, in die Hände der BVG fiel und diese es dann verkaufte, wurde die Miete fast verdoppelt. Von Seiten des Bezirksamts wird prophezeit, dass es nicht bei dieser einen Erhöhung bleiben wird. Immerhin sei die Potsdamer Straße lukrativ und die Gewerbemiete in diesem Gebiet im Lauf der letzten Jahre rapide gestiegen. Bisher wurde gesagt, der Investor habe die Miete auf die ortsübliche Gewerbemiete angehoben, doch dem ist nicht so. Diese liegt noch einen weiteren Fünfer über dem, was momentan gezahlt wird.

Auch eine Querfinanzierung durch andere Haushalte sei theoretisch möglich, aber der Bezirk wüsste nicht wie. Es wäre für uns als Einrichtung, die bisher Gelder aus dem Jugendhaushalt bekommen hat, beispielsweise möglich, auch Gelder aus dem Kulturhaushalt zu beantragen. Allerdings wurde uns bisher der Stand einer kulturellen Einrichtung nicht zugestanden. Die bei uns auftretenden Bands seien zu klein und auch die Tatsache, dass für alle unsere Veranstaltungen kein Eintritt verlangt wird, spreche dagegen. Man möchte sich permanent an den Kopf fassen.
Wie allen Investor*innen ist es auch dem jetzigen Investor des Gebäudes offensichtlich völlig egal, dass dort Jugendeinrichtungen, die seit 45 (Drugstore) und 38 (Potse) Jahren existieren, vor der Auflösung stehen.

Profitmaximierung ist Teil des kapitalistischen Systems und Investor*innen müssen natürlich immer einen Gewinn machen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Mit dem Verkauf der Immobilie konkurriert das Gebäude seither auf dem Markt. Wenn aktuell Immobilien auf den Markt geworfen werden und so Wohnraum zur Ware wird, dann werden erst recht auch Immobilien zur Ware, in denen sich ehrenamtliche Einrichtungen, wie Stadtteilläden oder Integrationsinitiativen, befinden. Den Mietvertrag hat er großzügiger Weise auch nur deshalb um weitere zwei Jahre (von 2015-2017) verlängert, weil er bisher noch keine Idee hatte, wie er die Etage verwerten will. Aber natürlich sind das alles nur Informationen, die uns bröckchenweise zugetragen werden, da eine direkte Kommunikation mit uns nicht stattfindet. Wir sind ja „nur“ die Nutzer*innen und haben bei den großen Verhandlungen nichts zu suchen und nichts mitzuentscheiden. Man hat uns unser demokratisches Recht zur Mitbestimmung genommen.

Fakt ist, dass wir unser einmaliges und umfangreiches Angebot woanders nicht umsetzen können. Es gibt in Schöneberg, speziell im Schöneberger Norden, keine geeigneten Flächen, da gibt es nichts zu diskutieren.

Diverse Ideen von Neubebauung und Umbauten können nur als utopisch bezeichnet werden, wenn man bedenkt, dass Ende des Jahres am jetzigen Standort Schluss sein soll.

Die Bedenken des Vermieters, dass sich die zukünftigen Gewerbe-Nachbarn an uns stören könnten, sind ebenfalls Humbug. Über die letzten 40Jahre hinweg konnte man gut mit allen Nutzern eine Übereinkunft bezüglich der Tageszeiten treffen, in denen unsere Räume genutzt werden können.

Und ja, wir sind stadtweite Projekte. Aber dennoch gehören wir genauso zum Schöneberger Norden, wie zur linken Kultur von Berlin.

Wir werden uns nicht weg-gentrifizieren lassen.

Wir haben uns entschieden:
Herr Investor, lieber Bezirk – wir bleiben hier.

Die Kollektive von Potse und Drugstore.

Artikel in der Berliner Woche vom 02.03.2017

Am Anfang der Legislaturperiode haben Rot-Rot-Grün ein Abkommen beschlossen, welches den Erhalt von Drugstore und Potse am jetzigen Standort sichern sollte.
Hat nicht so geklappt, wie man es sich gewünscht hätte.

http://www.berliner-woche.de/schoeneberg/politik/zoff-zwischen-linker-und-spd-wegen-zwei-jugendeinrichtungen-d119964.html

Kleiner Beitrag in der Berliner Morgenpost vom 27.02.2017

Die Situation beider Läden, kurz und knackig.

http://www.morgenpost.de/berlin/article209753943/Jugendfreizeiteinrichtungen-muessen-raus.html

Vor einem Jahr war die Schlagzeile noch eine andere:
„Neuer Mietvertrag sichert zwei Jugendzentren“

http://www.morgenpost.de/berlin/article206991635/Neuer-Mietvertrag-sichert-zwei-Jugendzentren.html

Protestival „Tekk Back Da O-Platz * Act I“

„Warum ist hier nicht die Hölle los? Warum treiben Wörter wie Asylrechtsverschärfung, Waffenexporte, Zwangsräumungen und Abschottung nicht Massen auf die Barrikaden? Xberg war mal bullenfrei, jetzt drehen die Bullen frei und kontrollieren alles was nicht deutsch aussieht. Wenn wir tatenlos bleiben, unterzeichnen wir unser Schuldeingeständnis. Im März wollen wir gemeinsam mit ehemaligen O-Platz-Bewohner*innen, Menschen aus der Ex-G.H.Schule und vielen anderen Initiativen und Hausprojekten (u.a. Potse & Drugstore) ein Protestival veranstalten. Mit Bühnen, Redebeiträgen, Infoständen und Aktionen.“

Zwei Bühnen (Bands u.a. „Pommes oder Pizza“ und Techno), die neusten und heißesten Infos zu Potse und Drugstore, sowie anderen Projekten (z.B. Refugee Schul- und Unistreik) !
Kommt vorbei, protestiert und feiert mit uns, zeigt, was ihr von dem ganzen Scheiß haltet, der momentan mit sovielen Läden abgezogen wird! Ab 12 Uhr auf dem O-Platz, in Kreuzberg, ab 14 Uhr mit Musik. Wir freuen uns auf euch!