Pressemitteilung vom 28.08.2017

Uns geht das Klopapier aus! Die Mietverträge werden nicht verlängert! Wir gehen auf die Straße!

Seit 1972 organisieren wir uns selbstverwaltet, ehrenamtlich und leisten seitdem unersetzliche Jugendarbeit im Bezirk und in der Stadt. Am Anfang des Jahres hat das Jugendamt Tempelhof-Schöneberg uns Jugendlichen den Geldhahn abgedreht und wir mussten schon Rechnungen für Putzmittel und Klopapier vom eigenen Taschengeld begleichen.

Mit achtmonatiger Verspätung erhielten wir endlich einen neuen Leistungsvertrag vom Jugendamt, an den unsere Finanzierung geknüpft ist, der uns eigentlich Ende 2016 schon hätte vorliegen sollen. Dieser wurde allerdings unabgesprochen mit neuen Klauseln versehen, die von uns Jugendlichen zusätzliche Arbeit erfordern, und wir fühlen uns aus akuter Geldnot massiv genötigt, dies einfach hinzunehmen, um unser Angebot weiter aufrecht erhalten zu können.

Nicht nur das: Ende des Jahres laufen zusätzlich wieder unsere Mietverträge aus und da selbst die Bezirkspolitik eingesehen hat, dass es keine Ersatzobjekte für uns gibt, sieht es für die Jugendarbeit im Kiez düster aus. Wir wissen nicht, wie es weitergeht, denn es fehlt an Kommunikation seitens des Bezirksamtes und des Bezirksstadtrats. Diese stehen wohl in Verhandlung mit dem Eigentümer, beziehen uns aber nicht ein und geben selbst auf Nachfrage kaum Informationen preis. Über Dritte mussten wir gerüchteweise erfahren, dass unsere Etage für ein Hostel freigeräumt werden soll.

In Zeiten, in denen Rassismus inmitten der Gesellschaft, unter anderem durch das Auftreten der AfD so selbstverständlich zur Schau gestellt wird, sind Freiräume für Toleranz und kulturelle Vielfalt unabdingbar. „Wenn diese Räume schließen wäre das ein fatales Signal für den sozialen Frieden in Schöneberg“, so der Anwohner Michael Weber.

Nur durch professionelle, bunte, solidarische und kulturübergreifende Jugendarbeit können wir gesellschaftliche Auswüchse wie PEGIDA und andere rassistische Strömungen bearbeiten und Jugendlichen helfen, eine Gesellschaft zu schaffen, in der Menschen solidarisch sind und keiner rassistischen oder sexistischen Propaganda aufsitzen.

Berlinweit sind immer mehr Einrichtungen den Haushaltswidrigkeiten, Schließungen, Stellen- und Etatkürzungen der Bezirke ausgeliefert. Darum gehen wir mit anderen Jugendeinrichtungen Berlins im September auf die Straße. Um die Dringlichkeit des Erhalts von Jugendeinrichtungen auf Senatsebene zu tragen, findet am 6.9.2017 eine Kundgebung vor dem Roten Rathaus statt. Die Kundgebung wird vom Bündnis Laute Jugend (www.lautejugend.de) organisiert. Es wird Redebeiträge unterschiedlicher Berliner Jugendeinrichtungen und eine Bühne mit Bands geben.

Wer uns unsere Freiräume nehmen will, muss mit Aktionen rechnen!


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