Archiv für Februar 2021

Stellungnahme Drugstore zum Rockhaus Februar 2021

Stellungnahme Drugstore zum Rockhaus Februar 2021

Hintergrund

Wir, das Kollektiv vom Jugendzentrum Drugstore, befinden uns seit mehr als 6 Jahren auf der Suche nach Räumlichkeiten, um unsere Jugendarbeit ausführen zu können, die wir seit 1972 in Berlin-Schöneberg anbieten.
Unsere Jugendarbeit umfasst dabei diverse Workshops und Werkstätten für handwerkliche Arbeit (z.B. Siebdruckwerkstatt, Fahrradwerkstatt, Fotolabor, etc.), Räume für Meetings, Austausch, Plena, eine zugängliche Bibliothek für politische Bildung und Unterhaltung, Proberäume um ungestört Musik zu machen und sich in Bands zusammen zu finden und einen Veranstaltungsraum, der für Konzerte, Partys, Lesungen, Kino und Theater genutzt wird, sowie für die Einführung und Weiterbildung von ehrenamtlichen Helfer*innen und Jugendlichen im Bereich der Licht- und Tontechnik, und dem Planen und Realisieren von Veranstaltungen.
Das alles bieten wir seit bald 50 Jahren an, ehrenamtlich und kostenlos für alle.

Nachdem dem Bezirksamt 2015 die Mietverträge für die Räume in der Potsdamer Str. 180 gekündigt wurden, sind wir auf der Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau: große Räume (zum Vergleich: die bisherigen Räume waren über 800m² groß), geeignet für laute und leise Nutzungen, in Tempelhof-Schöneberg gelegen und für den Bezirk bezahlbar.

Unzählige Besichtigungen, Enttäuschungen und Mietvertragsverlängerungen später musste das Drugstore Ende 2018 seine Schlüssel zu den bisherigen Räumen abgeben, ohne in neue Räume eingezogen zu sein.
Es wurden zwar Ende 2018 Räume in der Potsdamer Str. 134/136 angemietet, diese werden aber bis dato (bisher über 2 Jahre) umgebaut und sind vermutlich erst im 2. Quartal 2021 bezugsfertig. Und diese Räume sind nur für leise Nutzungen (Meetings, Workshops, leisere Werkstätten) gedacht; sprich es fehlen immer noch Räume für laute Nutzungen (Partys, Konzerte, Band- und Theaterproben).

So kam es, dass dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg der Veranstaltungssaal im Rockhaus in Berlin-Lichtenberg durch die GSE (Gesellschaft für Stadtentwicklung) angeboten und dem Drugstore und der Potse als Veranstaltungsraum vorgeschlagen wurde.

Das Rockhaus als Veranstaltungsraum für das Drugstore

Im Dezember 2020 kam es in Anwesenheit des jetzigen Betreibers Wolfgang zu einer Besichtigung der Räume im Rockhaus, die uns und der Potse angeboten wurden.

Direkt zu Anfang teilten uns Vertreter*innen der GSE mit, dass eben diesem jetzigen Saalbetreiber die Räume, unabhängig einer Anmietung durch uns, zum März 2021 gekündigt werden sollten. Der jetzige Saalbetreiber zeigte sich darüber erstaunt und erwähnte, er höre davon zum ersten Mal. Die GSE bat uns im Anschluss an die Besichtigung darum, kein öffentliches Interesse am Rockhaus zu bekunden, da die GSE sich im Vorfeld direkt an alle Nutzer*innen wenden und über einen möglichen Betreiberwechsel aufklären möchte. Wir beschlossen, dass wir mit Wolfgang ins Gespräch kommen wollten, um uns seiner Situation klar zu werden, bevor wir eine endgültige Entscheidung treffen.

Bei einer zweiten Besichtigung der Räume, ebenfalls gemeinsam mit Wolfgang, erwähnte dieser im Gespräch, er hätte weniger Interesse an einer weiteren Nutzung des Raumes denn ihm seien pandemiebedingt Einnahmen weggebrochen und diese Situation würde sich in den kommenden Monaten kaum erholen. Er schlug stattdessen einen Verkauf seiner Technik und sonstiger Ausstattung an uns vor, sollten wir den Saal übernehmen. Wir erlebten ihn in diesem Punkt als sehr interessiert und kooperationsbereit. Umso größer war unsere Verwunderung, als wir im Anschluss an das Treffen auf einen Artikel im Neuen Deutschland aufmerksam wurden, der zeitgleich zu unserer zweiten Besichtigung veröffentlicht wurde und in dem der derzeitige Betreiber uns und unseren möglichen Einzug ins Rockhaus problematisierte – stand dieser doch im Gegensatz zu dem Eindruck, den er beim zweiten Treffen erweckt hatte. Schockiert hat uns schon der reißerische Titel („Subkultur verdrängt Kultur“), mit dem sich der Artikel schon fast auf BILD-Niveau begibt und die einseitige Berichterstattung. Uns erreichte zwar eine Email 4 Stunden vor Veröffentlichung des Artikels, in der wir um Stellungnahme gebeten wurden, diese wurde jedoch von uns erst nach Erscheinen des Artikels bemerkt. Ferner ist die Hintergrundrecherche des Artikels mangelhaft (z.B. ist die Potse nicht das älteste selbstverwaltete Jugendzentrum Berlins).

Beim Lesen des Artikels im Neuen Deutschland entsteht der Eindruck, dass wir Wolfgang aus dem Saal verdrängen würden. Diesen Vorwurf wollen wir ganz klar von der Hand weisen, da die Kündigung weder von uns ausgeht, noch in unserer Hand liegt und dieser Prozess auch nicht von uns vorangetrieben wird. Dennoch sind wir durch die Umstände in einen Prozess eingebunden, bei dem einem langjährigen Mieter die Räume gekündigt werden und er somit verdrängt wird und das hat auch uns ein ungutes Gefühl bereitet. Durch unsere Kommunikation mit Wolfgang hat sich aber gezeigt, dass alle Seiten daran interessiert sind, die bestmögliche Lösung für alle Parteien zu finden und sich die jeweiligen Interessen sogar ergänzen.

Seit dem Erscheinen des Artikels erreichen uns Drohungen und Boykottaufrufe. Die meisten stützen sich dabei ausschließlich auf die Angaben des Artikels im Neuen Deutschland, eine darüber hinausgehende Hintergrundrecherche scheint nicht stattgefunden haben. Das bestürzt uns sehr. Als selbst von Verdrängung betroffenes Kollektiv sind wir durchaus in der Lage uns über Kontexte zu informieren und differenziert zu handeln.

Aktuell sind weitere Treffen mit sowohl Musiker*innen des Rockhauses, wie auch mit Wolfgang, als auch der GSE angesetzt worden, es findet aktuell ein Austausch mit allen Parteien statt und auch dieses Angebot ist nur eine kurz- bis mittelfristige Lösung (aktuell ausgelegt auf 5 Jahre), bis das Haus der Jugend in Schöneberg gebaut ist, auf das wir auch weiterhin hoffen.

Die Potse hat das Angebot für das Rockhaus abgelehnt, siehe „Statement zum Rockhaus und dem Bezirk vom 02.01.21″ (https://twitter.com/Potse_Berlin/status/1356933868453056514). Das Drugstore bekundet weiterhin Interesse an dem Veranstaltungssaal.

Das Kollektiv vom Drugstore
Pressemail: presse.drugstore.potse@online.de

Statement von der Potse zum Rockhaus und dem Bezirk

Statement von der Potse zum Rockhaus und dem Bezirk vom 02.02.21

Als wir uns Ende 2018 geweigert haben unsere Räume aufzugeben, haben wir deutlich gemacht, dass wir erst die Potsdamer Str. 180 verlassen, wenn es adäquate Ersatzobjekte für die Potse, sowie den Drugstore gibt.

Im Dezember letzten Jahres hat Jugendstadtrat Oliver Schwork über Facebook verkündet, er hätte eine Lösung für uns gefunden, erst wenige Tage nachdem wir diese Räumlichkeiten das erste mal besichtigt hatten. Er meinte damit den Konzertsaal im Rockhaus in Berlin-Lichtenberg. Wie aus unserer letzten Pressemitteilung auch schon hervor geht, entspricht das Objekt nicht unseren Ansprüchen. Wir können unsere Angebote in den gegebenen Räumlichkeiten nicht umsetzten und würden uns damit quasi handlungsunfähig machen. Das bedeutet, wir hätten keine eigenen Räume, da der Bezirk uns nur als Untermieter vom ssb e.V. einmieten würde und wir somit faktisch keine Verhandlungspartner*innen mehr wären.

Desweiteren hat das Jugendamt versucht uns damit zu erpressen, dass, wenn wir nicht aus unseren jetzigen Räumen rausgehen, dem Drugstore die Räumlichkeiten im Rockhaus ebenfalls verweigert werden würden. Dabei sind wir zwei unterschiedliche Jugendzentren und der Bezirk sollte in der Lage seinbeide Kollektive differenziert zu betrachten.

Wir fühlen uns vom Bezirk nicht als Verhandlungspartner*innen ernst genommen, wenn sie unsere Bedürfnisse größtenteils ignorieren. Es ist auch bezeichnend, wenn sich die Kommunikation des zuständigen Jugendstadtrats mit uns darauf beschränkt, über Social Media Beiträge vermeintliche Lösungen zu präsentieren.

Dem Bezirk muss klar sein, dass wir uns nicht zufriedengeben können, mit einem Angebot, was für sie die einfachste Lösung zu sein scheint. Wir entscheiden weiterhin selbstbestimmt, welche Räume unseren Forderungen entsprechen und welche nicht.

Die Politik stellt uns als nicht vertrauenswürdig dar, weil wir unsere Räume nicht verlassen und es zu einem Rechtsstreit kommen musste. Dabei sind sie es, welche unsere Verträge gekündigt haben und uns ohne annehmbare Alternativen auf die Straße setzen wollen.

Wir wollen weiterhin Druck auf den Bezirk und das Land Berlin ausüben, dass nicht vorschnell geräumt wird, bevor ein Ersatzraum gefunden werden kann. Die Politik ist in der Verantwortung einen solchen zu finden, da sie mit dem Verkauf des Gebäudes an Investoren die Situation selber verursacht haben.

Deshalb haben wir, das Potse-Kollektiv, uns dazu entschieden,nicht auf das Angebot des Bezirks Tempelhof-Schöneberg, die Potsdamer Str. 180 zu verlassen und den Raum im Rockhaus anzunehmen, einzugehen.

Wir fordern vom Bezirk Tempelhof-Schöneberg, dass sie die Situation nicht eskalieren lassen und die Räumung aussetzen. Die BVV Mitte ist dabei, weitere Objekte zu prüfen, genauso wird auf Landesebene weitergesucht. Wir hoffen auf eine baldige Entwicklung und Lösung, sodass wir unsere Jugendarbeit schnellstmöglich fortführen können.