Statement der Potse zum Humboldforum

Wir distanzieren uns von der Teilnahme an dem geplanten Ausstellungsteil „Freiräume“ in der Berlin Global Ausstellung des Stadtmuseums im Humboldt Forum.

Im Jahr 2018 wurden wir und das Drugstore-Kollektiv von den Kurator*innen angefragt ob wir einen Teil der Berlin Ausstellung im neuen Humbold Forum mitgestallten möchten. Beide Kollektive haben in ihrer damaligen Konstellation zu dem Projekt zugestimmt. Nun haben wir, das Potse-Kollektiv, sich aus verschiedenen Gründen dazu entschieden nicht weiter an dem Ausstellungsteil zu partipizieren.

Schon zu Beginn des Projekts gab es Kritik am Humboldtforum, die auch nicht an uns vorbei gegeangen ist. Diese beinhaltet unter anderem, dass das Ethnologische Museum sehr unreflektiert mit der europäischen Kolonialgeschichte umgeht und z.B. Raubkunst ausstellt. In unserem naiven Glauben, dass sich bis zur Eröffnung der Ausstellung eine Lösung finden wird, haben wir dennoch zu der Teilnahme zugestimmt.

Die Kolonialzeit war mit einer der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte, welcher es unbedingt einer angemessenen Aufklärung sowie respektvollen Umgang bedingt. Dazu gehört auf der einen Seite eine Anerkennung der eigenen Schuld an den Geschehnissen sowie den Willen zur Reparation und eine intensive Bildungsarbeit. Die vergangenen Jahre haben allerdings gezeigt, dass die Bundesregierung sowie die Verwalter*innen des Kulturguts nur schleppende und fragwürdige Ambitionen zeigen dieser Verantwortung nachzugehen. Stattdessen sollen z.B. stark umstrittene Raubkunstobjekte wie die „Benin-Bronzen“ nun das Herzstück des Humboldforums werden, womit die Forderung der nigerianischen Regierung die Bronzen zurück zu geben, weitgehend ignoriert wird.

Es gab viel öffentlichen Druck von verschiedenen Gruppen, wie zum Beispiel Berlin Postkolonial und No Humboldt21, die bis heute gegen die Eröffnung protestieren und deren Gründe und Anliegen wir unterstützen wollen. Und diese Stimmen werden immer noch nicht Ernst genug genommen.
Wir möchten gerne mehr kolonialkritische Ansätze und anti-Rasissmus in unserer selbstverwalteten Jugendarbeit miteinbeziehen. Dieser Anspruch würde mit der Teilnahme an der Berlin Ausstellung allerdings nicht verwirklicht werden, da wir das Gefühl haben mit unserer Partizipation an dem Projekt das problematische Verhalten des Humboldforums zu legitimieren.
Unser Kollektiv ist sehr weiß, welches Privilegien mit sich zieht. Privilegien, die es zu reflektieren und abzubauen gilt. Wir verstehen unseren Aktivismus als Intersektional, denn wir können nicht über Verdrängung sprechen ohne dabei alle möglichen Formen der Diskriminierung mitzunennen. Der Kampf gegen Gentrifizierung ist auch ein Kampf gegen Rassismus. Wir möchten uns nicht anmaßen, mit unserer gesellschaftlichen Position, uns neben Kolonialgütern darzustellen und somit unseren anti-kolonialen Anspruch nicht gerecht zu werden.
Doch das alles ist, auch wenn es schon reichen würde, nicht der einzige Grund, warum wir das Projekt abbrechen.

Unsere Arbeit war schon immer unkommerziell und anti-kapitalistisch. Mit dem Einzug einer Ausstellung in einen Nachbau eines ehemaliges Monarchenschloss würden unsere politischen Ideale und Wertvorstellungen kontrovers erscheinen. Zudem ist es schon fast ironisch, dass wir seit 6 Jahren nun auf Ersatzraumsuche sind und die Politik dermaßen versagt, wir uns aber in einem der größten Museen Berlins austellen lassen könnten. Ein Museum ist oft ein Ausstellungsraum für Vergangenes, wir sind aber immer noch da und lassen uns nicht verdrängen. Unsere Arbeit und unser Kampf um mehr autonome Jugendarbeit in Berlin bleibt bestehen.

Diese Entscheidung ist das Ergebniss eines langen Prozesses in dem wir zusammen mit dem Drugstore-Kollektiv viele Möglichkeiten durchgesprochen haben, wie wir unsere Kritik am Humboldforum am besten deutlich machen können. Dabei sind die Meinungen der beiden Kollektive sehr weit auseinander gegangen, sodass wir uns dazu entschlossen haben, unterschiedlich damit umzugehen. Das Drugstore-Kollektiv hat sich dazu entschieden mit dem bereits fertig gestallteten Ausstellungsteil weiter an der Ausstellung teilzunehmen und versucht somit innerhalb der Räume Kritik zu üben. Wir möchten einen radikaleren Weg gehen und unsere Präsenz, so gut es geht, aus der Austellung rausnehmen. Wir sind solidarisch mit Allen, die gegen koloniale und rassistische Strukturen, Verdrängung und die Ausbeutung der Stadt kämpfen.

das Potse Kollektiv :)


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